Einleitung

 

Einleitung

Die Chronologie „Rassismus in der Schweiz“, früher „Rassistische Vorfälle in der Schweiz“, will seit 1992 alle öffentlich gewordenen Vorfälle erfassen, die auf rassistische und/oder rechtsextreme Motivationen zurückgehen, ob es sich nun um verbale Äusserungen handelt, oder um Sprayereien oder Angriffe auf die körperliche Gewalt oder um Behördenrassismus. Sie dokumentiert auch öffentliche Äusserungen, die offensichtlich rassistisch sind, auch wenn sie nicht unter den Geltungsbereich der Rassismusstrafnorm (Art. 261bis StGB) fallen.

Die Chronologie stützt sich auf die Rassismus-Definition von Albert Memmi: „Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“ Memmis Definition hat den Vorteil, dass es sich - quasi bausteinartig - überprüfen lässt, ob der nachdrücklichen Betonung von tatsächlichen oder fiktiven Unterschieden - sei es Hautfarbe, Religion, ethnische Zugehörigkeit, etc. - auch die Wertung dieser Unterschiede zum Nutzen des Rassisten und zum Schaden seines Opfers folgt. Es lässt sich weiter nachprüfen, ob der Verabsolutierung und Endgültigkeitserklärung dieser Unterschiede auch die Legitimierung von Aggressionen beziehungsweise Privilegien folgen.

Die Chronologie erfasst zusätzlich rechtsextreme Aufmärsche, Auftritte oder Zusammenkünfte, da Rassismus das Kernelement jeglicher Form von Rechtsextremismus ist. Nicht aufgenommen werden jene gesellschaftlichen Anlässe von Rechtsextremisten, die ausschliesslich geselligen Charakter haben, wie zum Beispiel ein Saufabend.

Die Chronologie stützt sich in erster Linie auf Medienberichte und –mitteilungen. Für Meldungen aus der Romandie benutzt sie auch den „Rapport sur la situation de l’antisémitisme en Suisse Romande“. Diese Dokumentation wird seit 1998 von der „Coordination intercommunautaire contre l’antisémitisme et la diffamation“ (CICAD) herausgeben.

Die Chronologie wurde bis im Sommer 1994 von Regula Bähler, seither von Hans Stutz verfasst. Der Chronist dankt allen, die ihn bei seinen Recherchen irgendwann und irgendwie unterstützt haben. Einen besonders grossen Dank gebührt den Verantwortlichen der beiden Organisationen Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (GMS) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA). Sie erst machen es möglich, dass diese Chronologie publiziert werden kann.

Kategorien der Erfassung

Verbaler Rassismus
Verbreiten von rassistischen Botschaften im öffentlichen Raum, sei es durch Reden oder Gesten, sei es durch Verbreiten von Handzetteln/Flugblättern.

Verbreiten von rassistischen Schriften/Tonträgern
Verlegen und/oder Verbreiten von Broschüren/Büchern/Tonträgern, die rassistische Botschaften enthalten.

Leugnen des Holocausts
Öffentliches Leugnen eines Völkermordes, insbesondere des Holocausts, sei es verbal, sei es auf Flugblättern, in Broschüren oder Büchern, sei es auf Tonträgern.

Rechtsextreme Aufmärsche, Auftritte, Zusammenkünfte
Veranstaltungen von Rechtsextremisten von Vorträgen über Konzerte bis zu Kundgebungen, an denen auch politische Inhalte verbreitet werden.

Drohungen/Belästigungen
Drohungen und Belästigungen aus rassistischen oder rechtsextremen Motiven

Sachbeschädigungen, Sprayereien
Angriffe aus rassistischer Motivation, bei denen Sachen beschädigt oder rassistische Parolen angebracht werden. Meist Sachbeschädigungen an Unterkünften von AsylbewerberInnen.

Angriffe auf die körperliche Integrität
Angriffe auf Personen, die aus rassistischer bzw. rechtsextremistischer Motivation erfolgen, von Tätlichkeit bis zu Mord.

Brandanschläge, Schüsse
Angriffe auf Häuser, Unterkünfte, etc., die aus rassistischer Motivation erfolgen, häufig auf Unterkünfte von AsylbewerberInnen.

Diskriminierungen
Vorenthalten von Arbeitsstellen, Wohnungen, Waren oder Dienstleistungen aufgrund der Herkunft, der Hautfarbe oder Religion.

Einbürgerungsverweigerungen
Vorenthalten des Schweizer Bürgerrechtes aufgrund der Herkunft, der Hautfarbe oder der Religion des/der Einbürgerungswilligen

Behördenrassismus 
Vorfälle, in denen FunktionsträgerInnen des Staates Personen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe, etc. schikanieren, bedrohen, diskriminieren, etc.